24.Dezember 1968, Weihnachtsgrüße aus dem All, Astronauten der Mondmission Apollo
8:
"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ... Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht."
Die TV-Übertragung endete mit den Worten: "Gute Nacht, viel Glück und fröhliche Weihnachten. Gott schütze euch alle auf unserer guten Erde."
Die 3 Astronauten der Apollo 8 wurden als erste Menschen Augenzeugen, wie sich die Erde - unser wundervoller blauer Planet -
über den grauen Horizont des Mondes erhob. Aus dieser neuen Perspektive erkannten sie das Große Ganze
und dieser Blickwinkel inspirierte James Lovell zu einer der meistzitierten Metaphern für unsere Erde:
"Eine grandiose Oase in der weiten Wüste des Alls."
Dieses Bild einer seltenen, lebensspendenden Ausnahme in einem überwiegend leeren, kalten Universum
prägte die zukünftige Wissenschaft, da es in einem Satz offenbarte, wie wertvoll und schützenswert unser Planet ist.
Wie in einer echten Oase in der Wüste, wo Leben gedeiht,
bietet unsere Erde die notwendigen Ressourcen, um vielfältige Lebensformen hervorzubringen.
In den riesigen Salzweiten Botswanas unterwegs zu sein, ist für uns wie ein "Walk on the moon" -
ein unerwarteter Perspektivenwechsel, der uns eine neue Seite der Wandelbarkeit unserer Erde offenbart.
Eine golden schimmernde Felseninsel ragt aus der gleißend weißen Ebene - Kubu Island wirkt wie ein anderer Planet, der mit seinen Jahrtausende alten Baobabriesen von
alten Zeiten erzählt. Das Gefühl, die Zeit steht hier still, trügt! In dieser lebensfeindlichen Salzwüste breiteten sich einst riesige Sumpf- und Seenlandschaften aus, die zum Paradies für Adam
und Eva wurden: Hier soll die Geburtsstätte des menschlichen Lebens liegen. Und wir kommen dem Rätsel auf die Spur, warum die Batswana diesen Ort "Nilpferd" getauft haben.
Wenn in den Makgadikgadi-Pans der Vollmond hinter den berühmten Baines Baobabs aufgeht, ist das ein Moment voller Magie. Uralte
Elefantenpfade führen über diese große weiße Weite und wir können den Spuren folgen, die sie nach der letzten Regenzeit hinterlassen haben. Die schimmernde Salzsee scheint endlos, brandet an
ihren Ufern auf goldgelbes Gras. Hier wird die Geschichte unserer Urahnen greifbar: Die Ju/´Hoansi durchstreiften hier für Jahrtausende eine wildreiche Savanne und verfeinerten stetig ihre Jagdtechniken, bevor das Gras der lebensfeindlichen Salzwüste wich. Sie selbst sahen sich als Bestandteil eines
lebenden Kosmos, in dem alles in Verbindung steht.
Dank dieser Weltanschauung finden wir an den Wasserstellen im Makgadikgadi Nationalpark eine faszinierende Vielfalt von Leben und können als Naturfotografen im Reichtum der afrikanischen Flora
und Fauna aus dem Vollen schöpfen.
Tief im Okavango Delta und an den Flüssen Chobe und Khwai treffen wir noch auf die ursprüngliche, ungezähmte Wildnis – ein Paradies für Elefanten: Bis zu 130.000
Tiere halten sich hier auf, gestalten die Landschaft nach ihren Bedürfnissen um, dünnen Wälder aus und schaffen offene Grassavannen. Die Savanne ist längst kein so ursprüngliches Afrika, wie wir
dachten! „Als kleinster Funke des Lebens“ wurde das Feuer geboren und unsere Ahnen veränderten damit gezielt ihre Umwelt: Sie schufen sich ideale Jagdgründe und sorgten indirekt auch für den
Erhalt der Megafauna, die wir heute noch bewundern dürfen.
Mit dem Mokoro unterwegs im Okavango Delta spürt man den Herzschlag der Natur, um uns herum nichts als pulsierendes Leben in unglaublicher Vielfalt. Die Jäger und
Sammler der Frühzeit haushalteten sorgsam mit der Natur - sie entnahmen den empfindlichen Regelkreisläufen des Ökosystems nur so viel, wie sie für ihre kleine Gruppe zum Überleben
benötigten. Mit dieser Erfolgsformel bewahrten sie die Vielfalt bis in die Neuzeit.
Vor langer Zeit lebte im südlichen Namibia eine riesige und sehr gierige Drachenschlange.
Die Jäger beschossen sie mit ihren Giftpfeilen. Im Todeskampf wand sich die Schlange,
zuckte und schlug in alle Richtungen, so dass sie dabei den Boden aufriss
und den Fish River Canyon gebar.
Der Entstehungsmythos des zweitgrößten Canyons der Erde erinnert stark an die Traumzeit der Aborigines Australiens und man fragt sich unwillkürlich, was sich die Urvölker des südlichen Afrikas und Australiens wohl zu erzählen hätten, wenn sie sich am Lagerfeuer träfen.
Der Fischfluss selbst ist nicht nur der längste Fluss Namibias und Lebensader im kargen Land, sondern grub sich durch das älteste Gestein Namibias, das schon vor über einer Milliarde Jahre da war und offenbart damit einen Querschnitt durch die gesamte Erdgeschichte!
Das Gebiet ergibt mit dem Richtersveld Nationalpark in Südafrika ein riesiges grenzüberschreitendes Schutzgebiet – nur getrennt durch den Oranje, den Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika. Im Richtersveld treffen wir auf die bizarre Märchenwelt der Halfmens, Köcherbäume und weltweit einzigartige Sukkulenten, die ihre perfekten Anpassungsmechanismen an die extreme Trockenheit demonstrieren.
Seit Jahrmillionen transportiert der Oranje Sedimente aus den Mystic Mountains der Drakensberge hinab in den Atlantik und wird so zum Geburtshelfer für die älteste
Wüste der Welt, die Namib. Diese Ablagerungen steigen dann als gigantische Sandwelle wieder aus dem Meer heraus. Und obwohl die Namib durch ihre lange Erdgeschichte als stabiles Ökoystem gilt,
ist sie dennoch im ewigen Wandel! Wir haben in 25 Jahren die Namib mit vielen verschiedenen Gesichtern erlebt – als wasserführende Oase mit grünen Ufern, der rote Sand mit goldgelbem Gras
bewachsen, in mystischen Nebel getaucht….Der kalte Benguelastrom ist auch dafür verantwortlich, dass immer wieder Nebel, Abkühlung und Feuchtigkeit bis hin zu Regen die zentralen Gebiete der
Namib erreichen.
Was Wind und Sand kurzfristig anrichten können, führt uns das Dead Vlei in Nachbarschaft zum weltberühmten Sossusvlei eindringlich vor Augen: Eine Wanderdüne versperrt hier dem Tsauchabfluss den Weg. Die abgestorbenen Kameldornbäume inmitten der weißen Salzpfanne ragen in den wolkenlosen Himmel über der Wüste. Um in der Namib zu existieren bedarf es ausgeklügelter Anpassungsstrategien.
Der aufrechte Gang, die Entwicklung von Schweißdrüsen, das Melatonin als Sonnenschutz in der Haut – all dies hat die Evolution in Afrika geboren als im Laufe der Klimageschichte unserer Erde aus Regenwäldern Savannen wurden und der Frühmensch lernte, aufrecht zu gehen. Unsere Vorfahren sind bis in die Wüste vorgedrungen und haben durch langsame Anpassung an diesen extremen Lebensraum eine enorme Widerstandskraft erreicht, die dazu führte, dass sie sich weltweit gegen andere Frühmenschenarten durchsetzen konnten.
Die San waren und sind Überlebenskünstler, die dank ihrer enormen Fähigkeiten bis in die Neuzeit extreme Landstriche erobern konnten, an denen der Prototyp des modernen Menschen längst gescheitert wäre. In ihren Genen scheint das Urwissen der Menschheit gespeichert, die Mysterien des Lebens zu verstehen und in Fluss zu halten.
Uralte Felszeichnungen am Brandberg erzählen die Geschichte der Ureinwohner Namibias. Bis in die Neuzeit ist das Bergmassiv die Oase in der Wüste und blieb in der
vor- und frühgeschichtlichen Klimazeit der Rückzugsraum von Mensch und Tier. Überreste von Siedlungen zeugen davon, dass die San vor 6000 Jahren ebenso hier lebten wie bis zum Ende der kleinen
Eiszeit um 1800 n. Chr.
Die Wüstenpferde der Namib hingegen geben Zeugnis ab, dass Anpassungen an extreme Lebensräume auch in sehr kurzen Zeiträumen stattfinden können. Diese Pferde entkamen im Laufe des 1. Weltkriegs deutschen Soldaten und haben es geschafft, eine lange Zeit in der Trockenheit zu überleben. Doch in jüngster Zeit muss der Mensch den Pferden mit Namibias wertvollstem Gut, dem Trinkwasser, aushelfen - die von allen ersehnten Regenfälle bleiben immer öfter aus.
Bei Lüderitz sehen wir mit eigenen Augen, dass Menschen die Wüste zum Blühen bringen können, aber auch die unabänderlichen Folgen von wenig weitsichtigem Handeln aus den falschen Beweggründen: Die ehemalige Diamantensiedlung Kolmanskop! Abernten und Weiterziehen – dass dieser Umgang mit den Schätzen der Natur nicht aufgeht, lehrt hier die Natur selbst: Die Wüste hat sich den Ort längst zurückgeholt, nachdem der Mensch verschwunden war. Dies zeigt im Kleinen, wohin unsere Reise geht: Der moderne Mensch ist nichts ohne die Energie-Kreisläufe der Natur. Die Natur jedoch kann auch ohne den Menschen wunderbar existieren.
Eine einzigartige und abenteuerliche Wüstentour führt uns entlang der Atlantikküste Namibias von Lüderitz bis zur nördlichen Grenze zu Angola. 1400 km endlose Einsamkeit – getrieben von der Neugierde, Neues zu entdecken und die Faszination Leben zu spüren!
Auch wenn der Wind die Struktur der Landschaft immer wieder neu formt, unveränderlich bleibt die extreme Trockenheit, die seit Urzeiten diesen Lebensraum als Konstante prägt und im Laufe der Evolution erstaunliche Lebewesen hervorgebracht hat: seitwärts windende Schlangen, Geckos, die wegen der Hitze nur zwei Füße gleichzeitig aufsetzen können, Wüstenchamäleons, die die Fähigkeit zum Farbwechsel zur Thermoregulation einsetzen und Pflanzen, die Nebel „trinken“.
Und nicht zuletzt die San, die im Laufe ihrer Evolution erstaunliche körperliche Anpassungen an den trockenen Lebensraum durchliefen.
Der Mensch wirkt winzig in diesen riesigen Trockenfluss-Tälern, die das Hartmannstal von Ost nach West durchziehen. Wir reisen weit zurück in eine Zeit der Erdgeschichte, als das Klima zum Landschaftsdesigner wurde: Die heutigen Trockenflüsse, die alle paar Jahre für einige Tage Wasser führen, hätten niemals diese tiefen Felsentäler freigraben können! Zurück in der Zukunft erleben wir hautnah, wie die berühmten Wüstenelefanten das gesamte Ökosystem am Leben erhalten und zum Lebensspender für viele andere Arten werden.
Die Trockenflüsse münden an der Skelettküste in den eiskalten Atlantik! Das Zusammenspiel aus kaltem Benguelastrom und der heißen Sonne über den lebensfeindlichen Kiesflächen der Skelettküste erschuf über zehntausende von Jahren ein weltweit einzigartiges Ökosystem, das rein auf Küstennebel basiert! Und doch zeigen Reste von Steinsiedlungen und Feuerstellen mit Knochenfunden, dass hier vor 1000 Jahren Menschen dauerhaft gelebt haben und sich nicht von Fisch, sondern Gazellen ernährten! Auch am Rande der ältesten Wüste der Welt ist nicht alles so beständig wie es scheint! Klimaänderungen in Europa veränderten den Monsun und heftige Regenfälle erweckten den extremsten aller Küstenabschnitte Namibias zu ungeahntem Leben, bevor die Kleine Eiszeit das Land wieder austrocknen ließ.
Eine der am besten angepassten „Wassersparer“ unserer Erde ist die majestätische Oryxantilope. Sie dringt bis in die entlegensten Dünenzüge des
Hartmannstal vor und kann als einziges Säugetier bis zu 15 Tage ohne Wasser überleben. Wir folgen der Oryx in diesen einsamen Teil im Nordwesten von Namibia und erleben ein episches Land aus Sand
und Stein, so still und abgelegen, als hielte die Zeit den Atem an.
Im Nordwesten von Namibia treffen wir auf einer kargen Hochebene auf die halbnomadischen Himba. Anpassungsfähigkeit hat viele Gesichter – hier wird
augenscheinlich, dass verschiedene Umwelteinflüsse innerhalb eines Volksstammes zu völlig unterschiedlichen Lebensweisen führen können. Auf der einen Seite das halbnomadische Hirtenvolk der
Himba, das am Rande der belebbaren Welt existiert und sich angepasst hat.
Auf der anderen Seite ihre direkten Verwandten, die Hereros, als kommerzielle Rinderzüchter in viktorianischer Tracht und mit ungewöhnlichen Traditionen. Die Himba
kämpfen für ihren Fortbestand, denn selbst am Ende der bewohnbaren Welt scheint in der Neuzeit kein Platz mehr für sie.
Leben kann ohne Wasser nicht existieren. Diese Wasserabhängigkeit lässt uns das Land der Extreme, Namibia, immer wieder eindrucksvoll am eigenen Leib spüren:
Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht von 50°C, Gluthitze, Sandstürme, Eiseskälte – lebensfeindlich, und doch faszinierenderweise voller Leben. Welche Fülle an Wildtieren sich am Rand der
5000 km2 großen Salzpfanne hier im Etosha Nationalpark über die weiten flachen Ebenen bewegt! Die „Augen von Etosha“, die vereinzelt liegenden Wasserlöcher und artesischen Quellen,
sind der Schlüssel zum Rätsel Vielfalt. Und in guten Regenjahren läuft die Pfanne knöchelhoch mit Wasser voll und wird zum Paradies für Flamingos, das karge Umland erstrahlt plötzlich in üppigem
Grün und das typische Gesicht von Etosha zeigt eine erstaunliche Wandelbarkeit.
Auch unsere Vorfahren wussten den Wert der Augen von Etosha zu schätzen - sie zogen mit den Wildtieren, schürften wertvolle Mineralsalze am Rand der Pfanne und legten sich im Gras auf die Lauer, um Antilopen zu erlegen. Als Etosha zum Nationalpark deklariert wurde, mussten die Jäger und Sammler ihre Jagdgebiete verlassen und wurden ins Buschmannland umgesiedelt. Ihr traditionelles Leben können die wenigsten von ihnen heute noch führen.
„Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben!“,
sagte schon der Weltentdecker Alexander von Humboldt und schuf damit auch das schlagende Argument,
warum auf dem Sofa sitzen keine Alternative sein kann, um in dieser einen Welt miteinander zu leben!
Wie ist die Sicht der letzten direkten Nachfahren der Ureinwohner Afrikas heute auf unsere Welt?
Wir wollten Antworten aus erster Hand und daher begaben wir uns zusammen mit Alfred, Slenger und Elvis vom Stamm der Ju/´Hoansi, dem ältesten Volk der Erde, back to the roots: Was ist von ihrem traditionellen Leben, dem Wissen der Urahnen und damit dem Erfolgsrezept für das Überleben im Wandel der Zeit heute übrig? Welche Träume und Wünsche haben sie für die Zukunft nachfolgender Generationen?
Wie wichtig Kommunikation und vor allem Zuhören ist, lehrte uns das größte Aha-Erlebnis unserer Reise zurück in die Zukunft:
In Zeiten von Wokeness geriet auch der Begriff "Buschmann" als abwertend und geringschätzend ins Kreuzfeuer - umso erstaunlicher das Ergebnis, wenn man die
Personengruppe einmal selbst fragt, wie sie genannt werden wollen! Denn so wissen wir aus erster Hand, dass die Ju/´Hoansi mit Stolz den Namen "Buschmann" tragen, denn das ist ihre Identität,
sagen sie. Sie kommen aus dem Busch und wollen im Busch leben! - Nur können sie das leider in der Neuzeit nicht mehr.
Die größte Crux unserer Zeit ist wohl, das wir von unserem hohen Ross aus den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen können und diese Tatsache verbaut uns, den Blick zurück aufs Wesentliche zu lenken:
Wir alle sind als Mensch auf diese Welt gekommen, dann ist das WIR zum ICH zerronnen.
Gemeinsam statt einsam könnten wir mehr bewegen, als uns gegenseitig am Ast zu sägen!
Nirgendwo wird es stärker offenbar als in der Wüste:
Das fragile, erdumspannende Netz des Lebens.
Alles auf Erden steht in Verbindung und beeinflusst sich.
Weiter geht es zum abschließenden Epilog unserer Live-Reportage
"Namibia-Botswana - Echo der Schöpfung"!
Weiter geht es zum Prolog unserer Live-Reportage
"Namibia-Botswana - Echo der Schöpfung"!
Weiter geht es zum abschließenden Epilog unserer Live-Reportage
"Namibia-Botswana - Echo der Schöpfung"!